Fahnder sind Arzneimittelskandal auf der Spur |
|
Geschrieben/Gepostet am 13. Mai 2004 von Ben Originalartikel http://www.sueddeutsche.de Der Verdacht, illegal mit Arzneimitteln in der Fitnessbranche zu handeln, hat sich nach monatelangen Ermittlungen gegen eine Peißenberger Firma erhärtet. Ins Fadenkreuz der Fahnder sind dabei auch bundesweit 2000 Zwischenhändler geraten. Zudem erließ jetzt das Weilheimer Amt für Verbraucherschutz ein Verkaufsverbot für drei verschiedene Präparate, die diese Firma vertreibt. Bei einem der Präparate, die als Nahrungsergänzungsmittel deklariert waren und nun auf fünf Paletten aus dem Verkehr gezogen wurden, entdeckten die Experten eine auch für Ergänzungslebensmittel verbotene Substanz. Dies bestätigte gestern auf SZ-Anfrage Konrad Renner, Leiter des Amtes für Verbraucherschutz. Außerdem sei in weiteren Produkten eine zu hohe beigemischte Substanz gefunden worden. Das Unternehmen hatte nach einer Bewertungsprobe vor etwa sechs Wochen beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) ein Gegengutachten eingereicht, das vom LGL abgelehnt wurde – denn die offenbar muskelaufbauenden und körperfettverbrennenden und womöglich gesundheitsgefährdenden Präparate sind laut Landesamt als „nicht verkehrsfähige Lebensmittel“ zu bezeichnen. Wie berichtet, hatte die Kriminalpolizei Weilheim im Vorjahr bei der Firma, die weltweit ihre Produkte für Fitness- und Kraftsportler verkauft, mehrere Tonnen Kapseln beschlagnahmt, die laut Kripodem Arzneimittelgesetz unterliegen. Denn im Labor des Landeskriminalamtes waren zuvor bei Proben Stoffe festgestellt worden, die nur über Apothekenvergabe oder ärztliche Verschreibungen zu erhalten sind. Nach SZ-Informationen wird wegen dieses Verstoßes weiterhin gegen den Geschäftsführer und einen Mitinhaber der Peißenberger Firma ermittelt, die bislang die Vorwürfe bestritten haben. Die Firma, die angeblich auch ein Produktlager in Spanien unterhält, soll seit Jahren über beste Kontakte in der Fitnessbranche verfügen und auch als Hauptsponsor bei Bodybuilding- Wettbewerben auftreten. Dabei seien die Dopingkontrollen „oftmals nur Augenwischerei“, sagt dazu ein Insider. Er berichtet zudem von Trainingsund Beraterseminaren, auf denen Vertreter der Peißenberger Firma „wie Rattenfänger vor allem junge Leute für ihre Produkte einnehmen“. Mit dieser Masche würden gerade unter der Etikette Nahrungsergänzungsmittel „hohe Gewinnspannen erzielt und gleichzeitig gesundheitliche Schädigungen der Konsumenten in Kauf genommen“, so der Branchenkenner. Dem Vernehmen nach ist die Firma auch in Spanien, Russland und Asien „gut im Geschäft“. |